Klima-Links der Woche: Die Linke, das Klima und wir

von Uwe (KL BW)

Im Wochenrückblick geht es um unsere Wahlbeteiligung in NRW, die Abkehr vom Wachstum, 500 Milliarden Euro Schaden, Planetarpatriotismus und Proteste. Schönes Wochenende!

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Umwelt und Ernährung.

Wissenschaft

Die Bedeutung der Viehzucht für die Klimakrise kann nicht überschätzt werden. Das hat eine Studie ergeben, die von Michael Eisen (University of California) und Patrick O. Brown (Stanford University) im Fachmagazin „Plos Climate“ veröffentlicht wurde. Auf Basis eines auf aktuellen Werten basierenden Klimamodells sagen die Wissenschaftler voraus, dass ein Ende der Viehzucht die Treibhausgaswerte lange stabilisieren und die Erderwärmung erheblich verlangsamen würde. Bereits bekannt ist, dass ein großer Teil der Emissionen von Methan, Lachgas und CO2 durch Viehzucht und die angeschlossenen Versorgungsketten entsteht.

rnd.de: Studie: Ende der Viehzucht soll Erderwärmung erheblich verlangsamen

Politik und Gesellschaft

Alles, was Ihr über die Klimaliste NRW, die Linke und die Landtagswahl wissen müsst, findet Ihr bei uns im Blog. Hier dazu ein Link zur Medienberichterstattung.

taz.de: Linke übt Bewegung

Passend zum Thema diskutierten Aktivisti bei der #SystemChangeKonferenz mit Carla Reemtsma und Bernd Riexinger die Frage, ob die Linke eine sozial-ökologische Partei ist.

taz.de: Raus vor die Werkstore

Von allen guten Klimageistern verlassen: Die EU-Kommission will tatsächlich eine Taxonomie für nachhaltige Investitionen verabschieden, die auch Atomkraft und Gas einschließt (wir berichteten). Der dazu nötige Rechtsakt wurde am vergangenen Mittwoch angenommen. Immerhin regt sich an einigen Ecken politischer Widerstand: Österreich und Luxemburg wollen gegen die Entscheidung klagen. Spanien, Dänemark, die Niederlande und Schweden lehnen zumindest ab, dass Gas als nachhaltig eingestuft wird. Klimaaktivisti sind sich mit Anlageberatern und einer Expert:innengruppe der EU einig, dass die Einstufung reines Greenwashing ist. In der Bundesregierung sind die Grünen und seit neuestem auch die SPD gegen die Taxonomie.

tagesschau.de: EU stuft Atomkraft und Gas als nachhaltig ein

Die Theologin und Ethikerin Gudula Frieling plädiert in der taz für eine Abkehr vom Wachstumspfad: „Wir befinden uns im Klimanotstand. Er ist ein Weckruf zu radikaler Begrenzung von Emissionen und Ressourcen. Die ist aber im kapitalistischen Wirtschaftssystem nicht möglich, da dieses durch die stetige Reinvestition von gewinnträchtigem Kapital dauerndes Wachstum erzwingt. Deshalb brauchen wir ein klimapolitisches Notfallprogramm, das den Wachstumszwang beendet.“

taz.de: Verweigerte Klimarealität

Geld und Gerechtigkeit

Extreme Wetterereignisse, wie sie durch die Klimakrise immer häufiger werden, haben  zwischen 1980 und 2020 Schäden in Höhe von etwa 500 Milliarden Euro angerichtet. Das hat eine Untersuchung der EU-Umweltagentur EEA ergeben. Insgesamt starben bei den Ereignissen zwischen 84.000 und 145.000 Menschen, davon 85 Prozent durch Hitzewellen.

tagesschau.de: Immense wirtschaftliche Schäden

Lucas Chancel, Co-Direktor des World Inequality Lab, will die Finanzierung von Klimaschutz unter anderem durch eine „progressive Vermögenssteuer mit Verschmutzungsfaktor“ ermöglichen. Er rechnet vor, warum die Reichen den überwiegenden Anteil an der finanziellen Belastung tragen müssen – zehn Prozent der Weltbevölkerung seien für die Hälfte aller CO2-Emissionen verantwortlich.

freitag.de: Von den Gelbwesten lernen

Weil der Maßstab fehlt, können Bürger:innen die Länder nicht per Klage zum Klimaschutz verpflichten. Das hat das Bundesverfassungsgericht am vergangenen Dienstag erläutert. Damit ist eine Klage abgewiesen, die 50 junge Menschen in Karlsruhe gegen zehn Bundesländer angestrengt hatten.

taz.de: Klimaklagen scheitern

Peter Unfried führt den schönen Begriff „Planetarpatriotismus“ in die Klimadebatte ein: „Grundlage von Planetarpatriotismus ist der nationalstaatliche Öko-Patriotismus – und wenn wir ihn um 2030 herum mit 80 Prozent Erneuerbaren, erheblicher CO2-Reduktion und einer rapide voranschreitenden postfossilen Wirtschaft eingelöst haben, dann können wir auf diesen Inhalt sogar stolz sein.“

taz.de: Braucht es Öko-Patriotismus?

Aktionen

In insgesamt 19 Ländern demonstrierten Klimaaktivisti gegen Großkonzerne, die Meere und Küsten gefährden. Die Aktionen finden aus Anlass der Ölkatastrophe vor der Küste Perus statt. Dort waren Mitte Januar nach einem Tankerunglück fast zwei Millionen Liter Öl ins Meer gelangt.

taz.de: Klimaschutz gegen Neokolonialismus

Die Aktivistin Marjolein Schlüter erläutert, warum Waldbesetzer:innen im Osterholz in Wuppertal die Abholzung verhindern wollen: „Das Osterholz sichert unsere Lebensgrundlagen, die wir in der Klimakatastrophe dringend brauchen.“

taz.de: „Klimaschutz wird kriminalisiert“

Wegen einer Flughafenblockade musste sich Aktivist Henning Jeschke am Montag vor Gericht verantworten. Das Verfahren wurde eingestellt, doch die Urteilsbegründung des Richters kann nicht überzeugen: „Bei einem Notfall sei es erlaubt, ein Flugzeug am Abheben zu hindern, „aber nur bei einer konkret bevorstehenden Gefährdung, wenn er etwa gewusst hätte, dass es gleich nach dem Start abstürzen wird“. Der Klimanotstand sei keine akute Gefährdung in diesem Sinne.“

taz.de: Leider nicht verurteilt

Ein Jahr Proteste im Altdorfer Wald: Aktivist Samuel Bosch und seine Mitstreiter:innen kämpfen gegen Kiesgruben und den Regionalplan für Bodensee-Oberschwaben, der die Klimakrise nicht berücksichtigt.

kontextwochenzeitung.de: „Wir behalten uns natürlich vor, auch andere Flächen zu besetzen“

Energie

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ist eine große Freundin der Nord Stream 2 Gaspipeline. Unter anderem traf sie sich bereits vor Jahren mit Gas-Lobbyist Gerhard Schröder. Der Ex-Kanzler ist Präsident des Verwaltungsrates der Pipeline. Angeblich sei nichts Relevantes besprochen worden...

t-online.de: Schwesigs Russland-Geheimnis

Solardeckel und die Vorschriften für die Ausschreibungen bremsen den Ausbau der Windenergie. Beim Durchstarten könnte die EU helfen, die von der Bundesregierung gefordert hat, Projekte bis 18 MW von der Ausschreibeprozedur zu befreien.

freitag.de: Plansoll nicht erfüllt

Alles außer Tunnel: In der Schweiz sollen die Autobahnen mit Solarpanels überdacht werden. Auch Lärmschutzwände und Galerien erhalten in Zukunft Solarmodule.

heise.de: Photovoltaik: Schweiz will Autobahnen mit Solarpanels überdachen

Umwelt und Ernährung

Bis 2030 soll in der EU die Menge der eingesetzten Pestizide um die Hälfte reduziert werden. Um zu prüfen, ob dieses Ziel erreicht wird, müssten die EU-Länder jährlich melden, welche Mengen ihre Bauern einsetzen. Die Agrarlobby versucht allerdings, das zu verhindern.

taz.de: Kampf um Daten zu Pestizideinsätzen

Mit zahlreichen Projekten zur Renaturierung von Mooren soll in Deutschland der Weg zur Klimaneutralität unterstützt werden. Zum Welttag der Feuchtgebiete gab es hier einen Überblick:

stuttgarter-nachrichten.de: Nasse Moore - starkes Mittel gegen den Klimawandel

Stück für Stück heißt es Abschied nehmen von der Insel Sylt. Die Klimakrise beschleunigt das Verschwinden des beliebten Urlaubsziels, eine taz-Reportage schildert, was das bei einem Fan der Insel auslöst.

taz.de: Abschied von Sylt

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