Klima-Links der Woche: Hitzedauerwelle und Habecks Versprechen

von Uwe Baltner

Im Wochenrückblick geht es um Robert Habecks geplantes Sofortprogramm fürs Klima, die Hitze 2021, Permafrost und vier Millionen Tonnen Pflanzenschutzmittel. Macht's gut, schönes Wochenende!

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Umwelt und Ernährung

Wissenschaft

2021 war das fünftwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Wissenschaftler:innen können nachweisen, dass die Klimakrise bereits jetzt dramatische Folgen hat – auch für die Menschen. Nur ein Beispiel: die Hitzewelle im Westen Nordamerikas im vergangenen Jahr, die etwa 1.400 Menschenleben forderte.

taz.de: Sieben Jahre Hitzewelle

Das immer schnellere Auftauen der Permafröst-Böden bedroht Gebäude und Infrastruktur in den betroffenen Gebieten. Bis 2050 könnten 30 bis 50 Prozent beschädigt werden, sagen Forscher:innen der finnischen Universität Oulu. Betroffen sein könnte unter anderem Russland – und zwar die Gebiete, in denen aktuell Erdgas für Deutschland und andere europäische Länder gefördert wird.

stuttgarter-nachrichten.de: Tauende Permafrost-Böden gefährden Infrastruktur

Politik und Gesellschaft

Bis Ende April will Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck ein Sofortprogramm zum Klimaschutz angestoßen haben. Im Zentrum steht eine Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, in der die Ausschreibungsmengen für Wind- und Solarenergie erhöht werden sollen.       

tagesschau.de: Habeck macht Tempo beim Klimaschutz

Habecks Bilanz zum Klimaschutz der Vorgängerregierung: „in allen Sektoren unzureichend“.

tagesschau.de: "Bisherige Maßnahmen sind unzureichend"

Von Claudia Kemfert gibt's nur vorsichtiges Lob für Habeck, seine Vorschläge gingen „in die richtige Richtung“, seien aber noch „unzureichend“.

diw.de: „Habecks Klimapläne gehen in richtige Richtung, sind aber noch unzureichend“

Besorgt und bekümmert statt positiv: Eine Umfrage unter fast 1.000 Teilnehmenden am Weltwirtschaftsforum hat ein düsteres Bild ergeben, die Erwartungen an die Zukunft sind überwiegend negativ. Auf die Frage nach dem größten Risiko für die Menschheit wurde am häufigsten die Klimakrise genannt.

taz.de: Menschheitsrisiko Klimawandel

Ein von der EU einberufenes Bürgerpanel hat Vorschläge für den ökologischen Umbau der Wirtschaft erarbeitet. So sollen klimaschädliche Importe eingeschränkt und CO2-Filter für Kohlekraftwerke Pflicht werden.

taz.de: EU-Bürgerpanel für mehr Klimaschutz

Geld und Gerechtigkeit

Eine bezahlbare Pflichtversicherung für Gebäude ist ein Ansatz, um die steigenden Kosten für Klimaschäden zu bewältigen. Ein Problem bleibt aber: Letztendlich müssten aufgrund steigender Versicherungskosten die Bürger:innen die Folgen von Starkregen, Überschwemmungen und anderen Ereignissen übernehmen. Besser wäre es natürlich, die Verursacher:innen für die Schäden aufkommen zu lassen.

taz.de: Neue Modelle sind nötig

Weltweit haben Naturereignisse im vergangenen Jahr Kosten von 280 Milliarden US-Dollar verursacht.

taz.de: Klimakrise ist richtig teuer

Wieder ein gruseliges Beispiel für die Ignoranz, mit der lange Zeit der Klimakrise und ihren Auswirkungen begegnet wurde. Die Flutkatastrophe in Erftstadt hatte auch deswegen gravierende Folgen, weil die Kiesgrube des Ortes nicht vorschriftsmäßig gegen Hochwasser geschützt war. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

tagesschau.de: Hausdurchsuchungen in NRW

Aktionen

#LuetzrathBleibt. Am vergangenen Samstag haben beim dezentralen Aktionstag mehrere hundert Teilnehmer:innen für den Erhalt von Lützerath demonstriert. Die Entscheidung, ob enteignet werden darf, liegt derzeit bei Gericht. „Eine Regierung, die meint, man könne die Zukunft dieses Orts aus lauter Feigheit einem Gericht überlassen, hat offensichtlich keine Ahnung, welche Kraft hier ruht“, sagte Luisa Neubauer von Fridays for Future.

taz.de: Proteste für Lützerath

Energie

Ein Riesenerfolg für die Atomlobby ist schon die Tatsache, dass angesichts möglicher Kernschmelzen und ungelöster Entsorgungsprobleme überhaupt noch über den Einsatz der Atomenergie debattiert wird. Die Diskussion zeigt allerdings nur die Defizite beim Ausbau der erneuerbaren Energien auf. Für den taz-Kolumnisten ist der Fall klar: Atomkraft? Nein danke!

taz.de: Angst essen Atom auf

Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung hat das grüne EU-Label für Atomkraftwerke kritisiert. Atomenergie sei nicht nachhaltig, heißt es in der Analyse.

tagesschau.de: Bundesamt gegen grünes Label für Atomkraft

Gespielte Empörung wirft der Freitag der Ampelkoalition vor. Olaf Scholz und Robert Habeck hätten schon längst gewusst, dass an der von der EU-Kommission verabschiedeten Taxonomie kein Weg vorbeiführe.

freitag.de: So geht Europa: Eine Hand wäscht die andere, und am Ende ist niemand zufrieden

Die Energiewende kommt, fragt sich nur wann: Die Umweltstiftung WWF stellt in ihrer Studie „Megatrends der globalen Energiewende“ fest, dass sich Wind- und Solarstrom langsam durchsetzen. Seit 2014 hätten sich die weltweiten Kapazitäten verdoppelt bzw. vervierfacht. Deutschland hinkt hinterher, darum mahnt die WWF, die Klimaziele müssten unbedingt erreicht werden.

taz.de: Energiewende ja, aber zu langsam

Umwelt und Ernährung

Wachstum, das die Welt vergiftet: Etwa vier Millionen Tonnen Pflanzenschutzmittel landen nach Angaben der Heinrich-Böll-Stiftung jährlich auf den Feldern. Laut deren Pestizid-Atlas ist die Menge damit seit 1990 um 80 Prozent gestiegen. 385 Millionen Menschen jährlich erleiden Pestizidvergiftungen bis zum Versagen von Herz, Niere oder Lunge.

taz.de: Immer mehr Pestizide weltweit

Australien leidet aktuell unter einer extremen Hitzewelle. Im Küstenort Onslow in der Region Pilbara wurden sogar 50,7 Grad gemessen, die höchste jemals im Bundesstaat Western Australia gemessene Temperatur.

stn.de: Hitzerekord im Westen Australiens: 50,7 Grad in Küstenort

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